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Kristin Reinbach

Expertin & Unternehmensberaterin für Marktorientierung & Performance bei krysalis consult
Unterstützt Führungskräfte & Teams in komplexen Organisationen von DAX bis Mittelstand dabei, ihre Ziele zu erreichen. Mehr als 15 Jahre Erfahrung in Vermarktungs- und Performance-Themen. "unkonventionell, kreativ & analytisch stark, wertschätzend, effektiv"
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Der effektive Hebel besserer Kommunikation: Aktives Zuhören

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Wer viel mit anderen zusammenarbeitet wie Sie wahrscheinlich auch, der hat vor allem einen Job: Kommunizieren. Dabei denken die meisten vor allem an das Selbst-Reden – und ja: Das ist eine Kunst für sich! Doch selbst reden ist nur die eine Seite der Medaille – entscheidend für bessere Kommunikation ist tatsächlich die andere Seite:

Aktives Zuhören.

Solche Wochen, die davon geprägt sind, schwierige Kommunikationssituationen möglichst gut wieder aufzulösen – früher oder später erwischen sie uns alle. Mir ging das letztes Jahr vor Weihnachten so… Zum Glück ist es – Stand heute – Klopf auf Holz! – gut gelungen. Damals konnte ich – ein wenig verblüfft – feststellen, dass mir neuerdings eine wichtige Fähigkeit in kritischen Situation zur Verfügung stand: Aktives Zuhören.

Nicht nur beruflich, besonders über die anstehenden Festtage ist aktives Zuhören entscheidend:

  • Dafür, wie gut wir mit anderen klar kommen und wie nährend oder entnervend diese Zeit werden kann.
  • Ohne jemanden, der aktiv zuhört, kann mein Gegenüber mit der Wand reden (ähm, oder wir selbst eben gegen nämliche Wand… ;)).
  • Der Zuhörer, das Mitdenken, die offene Wahrnehmung des Gesagten – all das sorgt erst für einen gelingenden Austausch, für gute Kommunikation.

Diese gute Kommunikation wiederum ist notwendig, damit wir verstehen können,

  • woher z.B. eine Uneinigkeit kommt,
  • was dem anderen wirklich wichtig ist –
  • und wo wir beide – mit gutem Gefühl – bereit sind, einen Schritt aufeinander zu zu gehen.

Aktives Zuhören: Wie kann man darin besser werden?

oder formulieren wir es etwas gnadenloser:

Wie konnte ICH im Zuhören plötzlich besser werden? 😉

Ich preise es lieber gleich offen aus:

Als Zuhörer geboren wurde ich – mit schnellen Gedanken und einem raschen Mundwerk ausgestattet – nicht gerade.

Hätte ich vorher gewusst, welch positiven Effekt aktives Zuhören hat, ich hätte mich früher und gezielter dran gemacht. Denn es ist schon auffällig, wie viel leichter es seitdem fällt, Konflikte abzuwenden oder zumindest wieder aufzulösen. Nichts desto trotz war es offensichtlich möglich, dies in den letzten Jahren dazu zu lernen. Nach wie vor kann ich nicht zaubern, aber meistens braucht man das auch gar nicht zu können.

Auf der Fahrt zurück von einem dieser wichtigen Gespräche Ende letzten Jahres habe ich mich also gefragt, wurde also klar, ich hatte etwas richtig gemacht. Aber was? Bei genauerem Nachdenken (Erfolge ebenso zu analysieren wie Misserfolge war eine wertvolle Anregung von Garri Kasparow in seinem Buch Strategie und die Kunst zu leben: Von einem Schachgenie lernen) fiel mir auf, dass es etwas mit dem Zuhören zu tun haben musste.

Doch wo hatte ich dieses neue ‘Feature’ eigentlich her?

Das mit dem Aktives Zuhören-Können – das war ursprünglich ein glücklicher Zufall.

Aktives Zuhören lernen – in der Yoga Trainer-Ausbildung.

Als ich mich vor Jahren zu meiner Yoga-Trainer-Ausbildung angemeldet hatte, da war sicher das Letzte was ich mir davon erhoffte, aktives Zuhören zu lernen. Ehrlich gesagt:

Mir wäre noch nicht mal klar gewesen, dass ‘aktives Zuhören’ ein gutes Lernziel wäre.

In dieser Ausbildung mussten wir etwas ganz Seltsames tun – für mich als Denk- / Wort- / Büro-Mensch war es das zumindest:

Andere direkt durch Handanlegen in ihren Yoga-Haltungen zu korrigieren.

Ich hatte selbst durch gute Yoga-Lehrer erlebt, wie ungeheuer hilfreich und entlastend diese gezielten Korrekturen wirken können. Deswegen war ich zum Glück – seltsam wie mir erst vorkam – wirklich motiviert, das auch zu können.

Und da habe ich gelernt: Um zu ahnen, wie man am besten unterstützen kann, brauchte ich zwei Dinge.

1. Genau hinschauen, was in diesem Körper – und das wurzelt meist im Kopf – gerade passiert.

2. Mit den Händen, dem Körper, meiner Intuition be-greifen wo und wie ich am besten unterstützen kann.

Ohne ein einziges Wort auszutauschen!

Keiner sagte es so direkt, aber hier ging es darum

OHNE Worte effektiv zu kommunizieren.

Der Yoga-Teilnehmer konnte und sollte in dem Moment nichts sagen – ich musste rein durch die stumme Kommunikation seiner Körperhaltung und -Spannung begreifen, wie ich ihm helfen konnte. Plötzlich begann ich völlig neue Dinge wahrzunehmen – und meiner Intuition, nicht nur rationalen Informationen zu folgen.

Kommunikation funktioniert tatsächlich viel über die Körpersprache, nicht nur über das Gesagte,

das fiel mir wieder ein. Mein Kopf hatte diese Information schon vorher, erst jetzt begann ich wirklich zu begreifen, was das bedeutet.

Aktives Zuhören mit den Augen und – wage ich es zu sagen? – dem Herzen.

Früher hatte ich mich in schwierigen Gesprächssituationen schwer getan, die widersprüchlichen Eindrücke in einen Zusammenhang zu bringen. Wenn da Widersprüche erkennbar waren zwischen Haltung und Inhalt z.B., dann habe ich verkrampft versucht, mir darauf (rational versteht sich!) einen Reim zu machen. Das mache ich inzwischen anders:

Im Zweifel gebe ich der Information aus Körperhaltungen, Mimik, Atmosphäre Vorrang vor dem, was inhaltlich an Worten im Raum steht.

Ich höre mit den Augen zu – und sehe, bei welchen Sequenzen sich der andere ent- oder anspannt.

DAS ist die wesentliche Information!

Da kann ich gut nachhaken, dann kommt ein authentisches Gespräch zustande.

Ich höre mit dem Herzen zu und traue mich, meinem Eindruck zu vertrauen, dass z.B. – egal was der andere gerade vor sich selbst argumentieren will – die wesentliche Aussage ist, dass hier jemand Angst hat. Wenn ich das begriffen habe, kann ich versuchen, herauszufinden, warum, wovor – und wie ich wieder mehr Sicherheit oder Zuversicht beitragen kann.

Worte können irreführen – Körper und Stimme nicht

Schalten Sie demnächst mal beim Fernseher den Ton aus – und sehen sie sich z.B. Politiker einfach mal ohne Ton in einem Gespräch an.

Schauen Sie genau hin, ob der Körper und der Mensch in sich schlüssig wirken oder nicht.

Wirkt derjenige vertrauenswürdig?

Beim Fernsehduell zwischen Angela M. und Peer S. habe ich das getan – sehr interessant!

Erlauben Sie sich, ein Tier in der Wildnis zu sein, das für sich prüft, ob es seinem Gegenüber vertrauen kann.

Lassen Sie sich davon verblüffen, wie viel Sie plötzlich wahrnehmen und wie gut Ihre Wahrnehmung funktioniert, sobald Sie ihr vertrauen.

Das persönliche Gespräch schlägt deswegen nach wie vor alles

Bei allem Online-Gearbeite, das ich als Arbeitserleichterung extrem schätze, macht all das sicher klar, warum wichtige, kritische, schwammige, unsichere Situationen nach wie vor das persönliche Gespräch brauchenWir tun uns in unmittelbarer Nähe unseres Gesprächspartners leichter, ihn als einmaligen Menschen zu sehen. Außerdem gelingt es uns besser, die Gesamtsituation einzuschätzen und gemeinsame Lösungen zu finden.

Jetzt wissen wir auch, warum Weihnachten oft auch so anstrengend ist:

So viel direkter Dialog, so viel Information, so viel Anspruch an unsere eigene Offenheit! 😉

Wirklich offen in ein Gespräch gehen

Egal was vorher war, nehmen Sie sich vor, das nächste Gespräch offen und neutral anzugehen. Damit geben Sie nicht Ihren Stand oder gar Ihr Rückgrat auf, sondern machen die Tür Ihrer Wahrnehmung dafür auf, etwas Unvermutetes vorzufinden.

Die Herausforderung: Manchmal brauchen wir dafür einen sehr spontanen Wechsel in der inneren Haltung.

Wie soll das gehen, wenn man gerade spontan einen echten Hals auf jemanden hat – und jetzt gleich neutral und offen sein soll für einen Austausch dazu?

Zu diesem Zweck habe ich aus dem Yoga eine kurze, effektive Übung übernommen, die ich hier gern weiterempfehle:

Vor einem schwierigen Gespräch lege ich die Hände vor dem Herz zusammen, atme tief in den Bauch ein und denke: FRIEDE, dann tief aus – wieder ein: FREUDE – zuletzt: BESONNENHEIT. Ich habe für mich festgestellt, dass diese kurze Formel dafür sorgt, dass meine innere Haltung hilfreich für ein gutes Gespräch ist und ich es nicht durch festgefahrene Annahmen oder aufgestaute Aggression verhindere.

Natürlich können Sie andere Worte verwenden – wichtig ist nur, dass um die inhaltlichen Aspekte geht, es in Ruhe und friedlich und auch lebens- und menschenfreundlich anzugehen (und das kann an sich schon eine Herausforderung sein! ;)).

Probieren Sie einfach aus, was für Sie funktioniert.

Manchmal das schönste Geschenk: Jemand, der wirklich zuhört.

Was ist ein wirklich gutes Gespräch?

  • Es ist ein Gespräch, bei dem man das Gefühl hat, wirklich sagen zu dürfen, was man denkt.
  • Es ist ein Gespräch, indem man sich verstanden und gehört (!) fühlt.
  • Es ist ein Gespräch, in dem man das Gefühl hat, sich auf gemeinsamem Terrain zu befinden.

Schon der Gedanke ein gutes Gespräch fühlt sich sehr gut an, oder?

Eine Idee: Wir könnten ja zu den Festtagen – ohne es laut auszupreisen – einfach beschließen, dieses Geschenk des Zuhörens zu schenken – jeweils eine halbe Stunde bewusst zuzuhören. Mit den Augen, mit einem offenen Ohr, mit einer empfangsbereiten Intuition – und einer menschenfreundlichen Haltung im Herzen.

Einziges Risiko: Der Bedarf an Zuhörern ist riesig

Über ein Risiko sollte ich Sie noch ‘aufklären’, bevor Sie zu einem noch großartigeren Zuhörer werden: Da draußen in der Welt wird anscheinend SO selten wirklich zugehört. Sobald Menschen also intuitiv ahnen, dass sie hier endlich ein offenes Ohr finden, werden plötzlich alle schrecklich gern mit Ihnen reden und Ihnen Ihr Herz ausschütten. Ich nenne das den ‘Pfarrer’-Effekt.

Der funktionierte bei mir eine Zeitlang so ausgeprägt, dass selbst die Übergabe meines neuen Smarts an mich damit endete, dass die Autoverkäuferin mir erzählte, dass sie jetzt dringend ihr Leben ändern will. Mein Ehemann, der das seitlich mitbekam, war völlig baff. Er fragte nach, was ich denn zu ihr gesagt hätte. Meine Antwort war: Nichts.

Grenzen Sie sich also guten Gewissens ab, wenn’s zu arg wird.

Wenn möglich, genießen Sie das zusätzliche Vertrauen und die Offenheit, die Sie von anderen erfahren werden. Die Benefits sind meistens enorm: Sie bekommen Ideen, Erkenntnisse, wirklich inspirierende Geschichten, Menschen, die zu interessanten Charakteren werden statt ein schemenhaftes Klischee zu bleiben. Wahrscheinlich können Sie sich den Gang ins Kino ab sofort sparen…! ;)Und das alles völlig umsonst!

Probieren Sie aktives Zuhören gleich heute bei einem Gespräch gezielter aus:

  • Was nehmen Ihre Augen wahr?
  • Was spüren und ahnen Sie, was den anderen bewegt?
  • Wo sind Widersprüche zu ahnen – und welche Wahrheit spricht die Körperhaltung Ihres Gesprächspartners aus?
  • Fragen Sie respektvoll nach, zeigen Sie Offenheit, tasten Sie sich zum Echten vor, ohne dem anderen zu nahe zu treten.
'Zuhören - mit den Augen, dem Herzen, einer menschenfreundlichen, offenen Haltung - öffnet neue… Klick um zu Tweeten

Aktives Zuhören – wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen damit?

  • Kennen Sie jemanden, der ein großartiger Zuhörer ist? Was macht das aus? Was genau? Wie fühlen Sie sich, wenn Sie mit dieser Person sprechen?
  • Was davon könnten Sie selbst übernehmen?
  • Haben Sie bisher schon Aktives Zuhören bewusst ‘betrieben’ – oder werden Sie es nun probieren wollen?
  • Warum denken Sie, wird das aktive Zuhören gegenüber dem Sprechen bisher so unterschätzt? Vielleicht weil der aktive Part optisch stärker, dominanter wirkt?

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[Bildquelle: Heute wieder von Kaboompics auf Pixabay – danke!]

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