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Kristin Reinbach

Expertin & Unternehmensberaterin für Marktorientierung & Performance bei krysalis consult
Unterstützt Führungskräfte & Teams in komplexen Organisationen von DAX bis Mittelstand dabei, ihre Ziele zu erreichen. Mehr als 15 Jahre Erfahrung in Vermarktungs- und Performance-Themen. "unkonventionell, kreativ & analytisch stark, wertschätzend, effektiv"
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“Am Sonntag gehen wir in den Zoo”: Wie gebrochene Versprechen uns unterminieren

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Gebrochene Versprechen – sie passieren so leicht:

“Nachher kriegst Du noch ein Eis”

“am Sonntag gehen wir in den Zoo”

Wie war das mit den Versprechen unserer Eltern, als wir Kinder waren?

Wie hat es sich angefühlt, wenn unsere Eltern uns den Ausflug oder ein Eis versprochen hatten – und wir es dann doch nicht bekamen?

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Wir waren enttäuscht, traurig, vielleicht sogar ein bisschen bitter darüber.

Da ging es nicht nur um den Ausflug oder um das Eis.

Es ging auch ein bisschen darum, dass wir unsere Eltern als dazu fähig sahen – und sehen wollten – das Gewünschte herbeizuschaffen. Wenn sie das dann doch nicht schafften, dann bröckelte ein wenig dieses allmächtigen Helden-Bildes ab.

Mit der Erinnerung an diese – ja eigentlich so harmlose – Enttäuschung schauen wir uns jetzt

das gebrochene Versprechen im Arbeitsleben

an.

Warum werden Versprechen überhaupt gebrochen?

Weil sie gegeben werden. 😉

Ein nicht gegebenes Versprechen kann nicht gebrochen werden.

Daraus ergibt sich, dass wir in einer Führungssituation sehr sparsam mit unseren Versprechungen sein sollten. Versprechen abzugeben ist also nur sinnvoll für Dinge, die man wirklich selbst in der Hand hat. Wenn Sie sich eine Minute zum Drüber-Nachdenken geben, zeigt sich schnell: Wie viele Dinge sind das überhaupt?

Gar nicht mal so viele.

Natürlich hätten wir das oft gern anders – und würden gerade in einem größeren Unternehmen gern betonen, dass wir wirklich die feste Absicht haben, diese Sache zu tun.

Dennoch wäre es klug über diesen Schatten zu springen und bei der klaren Trennung zwischen Beeinflußbarem und Nicht-Beeinflußbarem zu bleiben:

“Wir haben hier Thema X. Das und das kann und werde ich beitragen und wenn X eintritt werde ich Z tun. Über die Entwicklung, wie Markt / Vorstand [beliebig ersetzen! ;)] darauf reagiert kann ich natürlich nichts sagen.”

Integrität, die Entsprechung zwischen Worten und Taten, ist ganz wesentliche Basis für gutes Leadership.

Ein gebrochenes Versprechen stellt die größtmögliche Lücke zwischen Worten und Taten dar:

Verbal wurde eine bestimmte Handlung oder Entwicklung versprochen, die danach auf der Fakten-Ebene nicht eingehalten wird.

Das kann

  • die in Aussicht gestellte Beförderung sein,
  • ein neues Arbeitsthema oder
  • einfach ein Rückruf, den wir in Aussicht stellen.

Selbst wenn wir Versprechen abgegeben haben, die in dem Moment Sinn machten, können

externe Entwicklungen dafür sorgen, dass die Einhaltung des Versprechens einfach nicht mehr möglich ist.

Stellen Sie sich vor, Sie versprechen ihrem Sohn, ihrer Tochter, dass sie auf dem Rückweg durch den Park ein Eis beim Eisverkäufer bekommen werden. Als Sie wieder zurückkehren, ist der Eisverkäufer schon weg. Natürlich können Sie nichts dafür, dass das passiert ist. Dennoch ist das mit dem Eis plötzlich schwierig geworden und wenn Sie Ihr Versprechen halten wollen, sind Sie plötzlich damit beschäftigt, für die nächste halbe Stunde die Gegenden um den Park nach einem Eis abzugrasen.

Sparsamkeit mit Versprechen erspart also eine Menge Stress und Druck – und weitere gebrochene Versprechen.

Ein klarer und realistischer Überblick darüber, was wir wirklich selbst beeinflussen können und in der Hand haben: Basis dafür, nicht Versprechen abzugeben, die wir dann nicht halten können und unsere Vertrauens-Basis mit unseren Mitarbeitern untergraben.

Das gilt für das Eis genauso wie die Beförderung oder das neue spannende Projekt.

Sich so zu verhalten verlangt von uns selbst eine ordentliche Portion Demut dem gegenüber, was wir nicht selbst in der Hand haben.

Was tun, wenn wir ein gegebenes Versprechen nicht halten können?

Falsche Eitelkeit oder Scham bringt in einem solchen Fall gar nichts. Seien Sie offen darüber, warum Sie es nicht halten (ohne Verantwortungsverschiebung zu betreiben).

Wenn es externe Faktoren sind, geben Sie die Information darüber weiter – ohne sich rauszureden.

Machen Sie sich selbst als Leader stark, indem sie klar sagen, dass Sie dieses Versprechen gar nicht hätten geben sollen und entschuldigen Sie sich. Sie geben damit keine Stärke auf, im Gegenteil: Ihr enttäuschtes Gegenüber hat die Chance, zu merken, dass Sie auch nur ein Mensch sind. So können Sie dafür sorgen, dass Sie den drohenden Vertrauensverlust in Ihre Person und Ihre Glaubwürdigkeit abpuffern können.

Bei gebrochenen Versprechen: Direkt auf die Palme?

Was tun, wenn Ihnen gegenüber ein Versprechen nicht gehalten wurde?

1. Erinnern Sie sich ein paar Sekunden daran, dass Kommunikation völlig unwahrscheinlich ist – zumindest wenn wir darauf bauen, dass sie von alleine funktioniert. Ein nicht gehaltenes Versprechen kann also viele Hintergründe haben.

2. Lassen Sie nicht zu, dass Ihr fantasievolles Hirn sich in blumige Annahmen darüber versteigt, warum wieso und “mit welch übler Absicht” das Versprechen nicht gehalten wurde.

3. Packen Sie das Thema am Schopf, suchen Sie das Gespräch.

Dabei ist es wichtig, zumindest zu versuchen, das Gespräch mit einer offenen Haltung zu beginnen, warum und wieso das der Fall ist. Oft geht es um unterschiedliche Annahmen, was ein Versprechen genau bedeutet:

  • WANN es umgesetzt werden sollte,
  • in WELCHER FORM, und
  • in WELCHEM UMFANG.

Diese unterschiedlichen – impliziten – Annahmen sorgen für eine Menge Ärger, wenn wir sie nicht ans Licht der Tatsachen holen.
Mit einem offenen Austausch über die Hintergründe besteht eine faire Chance, dass sich das Ganze in ein “Achso!” auflöst.

4. Seien Sie außerdem dem “Versprechens-Verbrecher” gegenüber ein bisschen gnädig – er oder sie ist eben auch nur ein Mensch. Vielleicht wollte der andere etwas zu viel – und ist jetzt selbst unangenehm berührt, das nicht geschafft zu haben.

Was sind Ihre Erfahrungen mit gebrochenen Versprechen und ihren Folgen?

Hinterlassen Sie Ihre Gedanken dazu als Kommentar:

  • Was haben Sie selbst schon erlebt in Punkto gebrochener Versprechen? Wie sind Sie damit umgegangen? Hat es sich gut auflösen lassen – und wenn ja, wie?
  • Wie gehen Sie damit um, welche Versprechen Sie wem geben? Haben Sie evtl. ‘Regeln’ dafür – wenn ja, welche?
  • Als Sie ein wichtiges Versprechen mal nicht halten konnte – wie sind Sie damit umgegangen?
  • Kennen Sie jemanden, der den Umgang mit Versprechen exzellent hinkriegt – was denken Sie, kann man sich von ihr / ihm abschauen?

Ich und andere Leser und Leserinnen freuen sich auf Ihren Input – danke jetzt schon für Ihren konstruktiven Beitrag!

[Bildquelle: Der Steinlöwe ist von Plasterbrain, das Löwenjunge von Sponchia – beide auf Pixabay. Danke!]

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