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Kristin Reinbach

Expertin & Unternehmensberaterin für Marktorientierung & Performance bei krysalis consult
Unterstützt Führungskräfte & Teams in komplexen Organisationen von DAX bis Mittelstand dabei, ihre Ziele zu erreichen. Mehr als 15 Jahre Erfahrung in Vermarktungs- und Performance-Themen. "unkonventionell, kreativ & analytisch stark, wertschätzend, effektiv"
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Der richtige Umgang mit Niederlagen: So öffnet er Türen

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“Ich hasse Tennis.” André Agassi, Tennis-Legende

Niederlagen – sie sind das Letzte, das man will, und doch passieren sie.

Ja, auch und gerade im Geschäftsleben.

Niederlagen sind…. wie soll ich sagen? …unbeliebt.

Inhaltlich ist das klar, doch schon als Wort kommen sie außerhalb von Fußball, Tennis & Co. kaum vor.

Niederlagen, das ist es etwas, das passiert Sportlern, aber vor allem…

den anderen.

Aus über 15 Jahren Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Unternehmen, Branchen, Menschen weiß ich aus der Nähe:

Wir mögen das Wort ‘Niederlage’ vermeiden – und doch: Es gibt sie.

Niederlagen, Niederlagen, Niederlagen.

Da – ich habe es gesagt – und bin noch nicht erschossen worden! 😉

Geschäftliche Niederlagen gibt es sogar in reichlicher Auswahl:

Bittere Niederlagen, haushohe Niederlagen, niederschmetternde Niederlagen.

Für die Sache, für die Person, für das Team, für das Unternehmen. Sie passieren in allen möglichen Phasen: Vor, während und nach einem Projekt, vor, während, nach einer Amtszeit.

Manchmal passieren Niederlagen noch nach dem eigenen Ableben.

Das ist mein Ernst: Nach dem Krebstod eines Kunden habe ich es leider erleben dürfen, dass sich diverse Menschen seinen Erfolg angeheftet haben. Bei ihm sei das Thema ja angeblich noch nie richtig gelaufen war (was nicht stimmte). “Dieser Versager…schade, hm…aber jetzt…ein Glück, das sich endlich die Richtigen der Sache angenommen haben.”

Warum ich das so fies rein reibe?

Weil ich betonen will: Das mit den geschäftlichen Niederlagen, …

  • das kann jeden treffen
  • es zu leugnen bringt keinen weiter
  • es ist schlauer, sich rechtzeitig den richtigen Umgang damit zuzulegen

Ich denke, man kann sich einigen:

Geschäftliche Niederlagen können richtig bitter sein.

Sie können prinzipiell jeden treffen, ‘der da raus geht’. Wissen Sie, was das Interessante daran ist?

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Geschäftliche Niederlagen passieren vor allem den Fähigen, den Ehrgeizigen, denen, die wirklich was bewegen wollen – und es tun.

Denn dadurch erzeugen wir Reibung. Schließlich kommt jede Chance mit ihrem entsprechendem Risiko daher.

Geschäftliche Niederlagen passieren, weil sie möglich sind –

und besonders, sobald wir das Haus verlassen, um etwas Gewagtes, Großes zu tun, ein Unternehmen aufzubauen, ein großes Projekt zu leiten.

Was viele nicht wissen – oder wieder verdrängt haben:

Niederlagen zu vermeiden verschließt die Tür zu großen Chancen und Erfolgen

In Wahrheit beschränkt uns der Verzicht auf großartige Niederlagen als Führungskraft, als Mensch, weil das bedeutet, dass wir keine größeren, keine gewagteren Risiken (und damit Chancen) eingehen. Wer langfristig, dauerhaft erfolgreich sein will, muss sich weiterentwickeln. Weiterentwicklung wiederum bedeutet, Risiken einzugehen, etwas zu wagen.

So gern wir das anders hätten:

Weiterentwicklung beinhaltet automatisch Niederlagen.


Der richtige Umgang mit Niederlagen: Krieg oder Sport als Parallele?

Schon als Praktikantin durfte ich erleben, dass sich manche diesem Problem so stellen, dass sie für sich den Erklärungsansatz wählen, dass “im Krieg alles erlaubt ist” – und Geschäftsleben ist eben Krieg. Punkt. Das hatte diverse verbale Surrealismen zur Folge und gipfelte in einem ‘Strategic War Room’. Das mag ja alles Geschmacksache sein, doch Geschäftsleben als Krieg zu sehen – das ist schon ganz schön zynisch und bringt uns ziemlich sicher auf die falsche Spur. Die Analogie zwischen Geschäftsleben und Leistungssport ist zwar immer gern genommen, haut auch nicht immer hin. Im Bezug auf den richtigen Umgang mit Niederlagen allerdings – da ist das sehr hilfreich, wie ich beim Lesen von Andrè Agassi’s Biographie gesehen habe.

Denn:

Wer kennt sich mit dem Umgang mit Niederlagen besser aus als Spitzensportler?

Wer irgendwann oben auf dem Siegertreppchen steht, hat etwas viel Großartigeres geleistet als ‘nur zu siegen’. Er oder sie hat sich nach Niederlagen immer wieder aufgerappelt und es wieder und wieder versucht. Ist dran geblieben OHNE schon der Held zu sein. Hat den Umgang mit Niederlagen wohl oder übel gelernt.

Jeder Spitzensportler, das wurde mir bei der Lektüre von Andre Agassis Biographie “Open” kürzlich klar, muss nicht nur lernen, zu gewinnen, sondern vor allem auch zu verlieren. Oder besser:

Lernen, wie man mit einer Niederlage nicht nur umgeht, sondern, wie man etwas aus ihr macht.

Im Gegensatz zu Management, Unternehmertum, dem ganz normalen Leben, in dem man fast jede Entwicklung notfalls noch zu eigenen Gunsten auslegen kann, gibt es im Sport etwas

Grausames, aber bestechend Klares: Sieg oder Niederlage.

Ganz klar ausgepreist.

Damit muss man erstmal umgehen können!

Andrè Agassi zu seinem (zunächst schlechten) Umgang mit Niederlagen:

(aus seiner Autobiographie ‘Open’ – s.unten)

André Agassi ist noch Teenie, im Tennis aber schon ein ganz Großer – und er hat gerade böse verloren.

Er sitzt jetzt heulend auf dem Parkplatz im Auto.

Ein Coach, der das Spiel gesehen hatte, klopft an das Fenster und spricht ihn an, wie es ihm geht.

“Ich hasse Tennis.”

“Das sagst Du, weil es Dir jetzt weh tut, saumäßig weh, aber

es bedeutet nur, dass es Dir wichtig ist.

Es bedeutet, dass Du gewinnen willst.

Du kannst das nutzen.

Erinner Dich an diesen Tag.

Nutze diesen Tag als Motivation.

Wenn Du Dich nicht wieder so verletzt fühlen willst, okay, dann tu alles, um es zu vermeiden.

Bist Du bereit, alles zu tun?”

Ich nicke.

“Gut, gut. Also, dann mach weiter und heule. Spür den Schmerz noch eine Weile. Aber dann sag Dir:

Zeit, wieder an die Arbeit zu gehen.”

Niederlagen: Sie werden passieren – und sie werden schmerzen.

Niederlagen sind gar nicht so problematisch – schlimm ist nur, danach nicht weiter zu machen.

Die bittere Niederlage FC Bayern Münchens gegen Dortmund im DFB Pokal-Finale 2012

– was war das selbst vor dem Fernseher für ein Leiden! Für die Bayern-Spieler damals sicher ein großer, sensationeller Schmerz.

Aufhören? Keine ernst zu nehmende Option – und den gleichen Schmerz wollte bestimmt keiner der Spieler wieder erfahren. 2013 wurde mit dieser Niederlage als Grundlage, als Basis, als Anreiz eine sensationelle Saison für Bayern München. Vielleicht war genau diese Niederlage – bzw. der konstruktive Umgang mit ihr – das große Glück für diesen Verein und seine Spieler, die jetzt endlich wieder einen echten, spürbaren, dringenden Grund hatten, über sich selbst hinaus zu wachsen.

Eine richtig fiese Niederlage kann unseren Willen, unseren Jieper, unseren Kampfgeist, gewinnen zu wollen, besser anstacheln als alles andere.

Niederlage, verlieren lernen, scheitern, am Ende siegen – ein normaler Ablauf


Das macht den Umgang mit Niederlagen im Geschäftsleben schwieriger: Unklare Verhältnisse

Der Umgang mit Niederlagen im Geschäftsleben ist selbst für reflektierte Menschen gar nicht so einfach – begonnen mit der Evaluation der faktischen Situation:

  • Welcher Umsatz ist eine echte Niederlage – und welcher nicht?
  • Welcher Kunde ist ein echter Zugewinn – oder eine zukünftige Niederlage?

So eindeutig ist das Geschäftsleben – gnädigerweise und unguterweise – nicht.

Wir können uns eine Niederlage als ‘schon noch ok’ schönreden – oder einen Gewinn nicht so recht schätzen und feiern (wie war das bei der letzten Planzahlen-Besprechung?).

Unsere geschäftlichen Niederlagen werden selten so unmittelbar (und damit ‘grandios’ 😉 sein – und die Erkenntnisse daraus, der Wille zum Sieg nicht so klar abzuleiten.

Klar kenne ich das selbst auch aus der Nähe:

Da war z.B. die Vor-Präsentation von Inhalten meines zukünftigen Buchs auf einer internationalen Konferenz. Die Erwartungshaltung der Teilnehmer war anscheinend anders als meine – die Folge: Manche fanden es großartig und einige schrecklich. Danach war ich schon sehr verwirrt – was war da passiert? Ich kannte das Gefühl noch nicht mal…aber ich kann Ihnen sagen:

Oha. Das war unangenehm.

Das war eine Niederlage.

Im Tennis wäre ich in der Vorrunde ausgeschieden.

Im Geschäftsleben ist das Verlieren selten so eindeutig wie im Sport und der Prozess gibt uns eher ausnahmsweise richtig klares Feedback. Wer länger dabei ist, hat gelernt, noch jede ansatzweise Niederlage in einen angeblichen Erfolg umzudeuten – oder zu ignorieren. Selbst wenn wir bereit sind, mit uns selbst ehrlich zu sein:

Die Spielanalyse ist schlichtweg nebulöser und schwieriger.

Meine Erkenntnis aus dieser Niederlage damals war: “Offensichtlich war die Struktur noch nicht einfach genug, damit andere den Inhalt gut begreifen können. Besser ich behebe das jetzt als nach der Veröffentlichung.”

Ja, für mich, die ich vorher noch nie mit einem unfertigen Konzept bei einem Beratungskunden aufgeschlagen war, war es eine gruslige Erfahrung war, mit etwas Unfertigem in die Öffentlichkeit zu gehen – und damit eine solche ‘Niederlage’ zu riskieren. Unangenehm wie diese Niederlage war, habe ich die Erkenntnisse in die letzte Überarbeitung meines Buchs einfließen lassen. Sie hat geholfen, das Buch besser zu machen als es geworden wäre ohne dieses Risiko einzugehen. Das Buch “Erfolgsfaktor: Magic Innovation Leadership” ist jetzt wegen dieser Erkenntnis für viel mehr Leser richtig nützlich. Ein fairer Preis dafür, dass es vor der Veröffentlichung diese 15 Leute noch unfertig fanden.

When you lose, don’t lose the lesson.

Das Risiko von Niederlagen eingehen zu können und zu wollen, das zu lernen – das ist wohl für jeden ein schwieriger Lernprozess. So unangenehm er ist, so lohnend zeigt er sich – so öffnen sich ganz neue Türen zu unseren Zielen.

Schwammige Niederlagen sind im Geschäft die Regel – erst recht lohnt es sich, hinzuschauen:

  • Was waren Niederlagen meines letzten Jahres? Meines letzten Monats? Der letzten Woche?
  • Warum wurde eine Niederlage daraus, warum schmerzt es mich – und wie kann ich das in Zukunft vermeiden?
  • Wie sah mein Umgang mit Niederlagen früher aus – und was war der Effekt? Kurzfristig? Langfristig?
  • Worin kann ich besser werden, was will ich dazulernen, damit ich hier sicherer bin?
  • Welche Art des Umgangs mit Niederlagen würde zukünftige Erfolge wahrscheinlicher machen?

Wichtig!

Machen Sie diese gnadenlos ehrliche Reflexion ruhig nur mit sich selbst aus, schriftlich, oder mit einem engen Vertrauten oder Coach. Seien wir ehrlich: Es gibt keine Notwendigkeit und macht Sie unnötig angreifbar, wenn Sie es öffentlicher tun. Realistisch gesehen haben wir heute in Deutschland keine gute Kultur im Umgang mit Mißerfolgen – und Sie brauchen sich hier nicht unnötig Verletzungen zuziehen. Dass ich hier über dieses Thema schreibe, ist schon riskant genug! 😉

Lassen Sie sich / Ihr Team von einer Niederlage nicht platt machen, lassen Sie sie Inspiration und Anreiz sein. Machen Sie es Bayern München nach und machen Sie die nächste Saison zu IHRER Saison.

Wie sind Ihre eigenen Erfahrung als Führungskraft / KollegIn mit dem Thema Niederlagen / Erfolge?

  • Wann und wobei haben Sie das letzte Mal eine persönliche Niederlage erlebt?
  • Wie / wo haben Sie schon mal eine Niederlage erlebt, die sich im Nachhinein als Segen herausstellte?
  • Wenn Ihnen etwas nicht gelingt: Wie gehen Sie bisher damit um? Hat sich Ihr Umgang mit Niederlagen über die Jahre verändert – und wenn ja, wie und warum?
  • Welche Tipps haben Sie für andere, die viel im Leben erreichen und dabei glücklich sein wollen zum Thema “Umgang mit Niederlagen oder Scheitern?”
  • Haben Sie Erfahrung mit unterschiedlichem Umgang mit Niederlagen in unterschiedlichen Ländern oder Kulturen gemacht? Wo könnten wir uns eine Scheibe abschneiden?

[Bildquelle: Miguelibars auf Pixabay – danke!]

Resourcen:

Andrè Agassi, Open, Autobiographie, Inspiration, Manager, Buchtipp, krysalis consult, Umgang mit Niederlagen, MißerfolgAndrè Agassis Buch ‘Open‘ ist auf Amazon sowohl deutsch als auch englisch, digital wie gedruckt erhältlich. Gut verdaulich und gleichzeitig sehr inspirierend!

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