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Kristin Reinbach

Expertin & Unternehmensberaterin für Marktorientierung & Performance bei krysalis consult
Unterstützt Führungskräfte & Teams in komplexen Organisationen von DAX bis Mittelstand dabei, ihre Ziele zu erreichen. Mehr als 15 Jahre Erfahrung in Vermarktungs- und Performance-Themen. "unkonventionell, kreativ & analytisch stark, wertschätzend, effektiv"
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“Kam leider ohne Etikett”: Die 2 (wahren) Fallen der Ideenauswahl

 

Die Ideenauswahl im Innovationsmanagement ist eine entscheidende Weichenstellung – vor allem, wenn wir uns klar machen, was sie wirklich bedeutet:

Eine Innovation ist ja wie eine neuartige Pflanze. Wer morgen diese Pflanze gedeihen sehen möchte, der muss zunächst einmal säen. Dabei sind die Ideen wie die Samen für spätere Innovationen. Wie bei den Samen steht bereits beim Säen steht fest, welche Pflanze daraus wird. Der gesäte Samen kann ein Baum oder eine Sonnenblume werden.

Die darin enthaltene Idee kann ein absoluter Überflieger oder ein fürchterlicher Rohrkrepierer werden.

Die Challenge bei der Ideenauswahl: Es  ist wie Gärtnern im Blindflug

Wenn Sie Gärtnern wollen, gehen Sie in die Gartenhandlung und finden dort fein säuberlich beschriftete Tütchen mit dem Samen Ihrer Wahl: “Basilikum”, “Brunnenkresse” etc.

Wenn wir Innovationsprozesse im Unternehmen steuern, dann haben wir diesen Luxus leider nicht.

Die Ideen kommen ‘nackt’ daher – wie eine Mischung Samenkörner ohne Namen – und auch noch alle in einem großen Topf.

Woher also sollen wir ahnen, was sich hinter welchem Samen verbirgt:

Worin ist das Unkraut verborgen – und worin der fruchtbare Baum?

Die Identifikation der zukünftig wohl innovativen Ideen, die man wirklich wachsen lassen will, wird dadurch naturgemäß erschwert. Ein bisschen ist es mit der Innovation also wie beim Gärtnern im Blindflug –

als hätte der Azubi alle Samen-Tütchen geöffnet und die Samen aus Versehen auf den Boden fallen lassen.

Und wir wollen jetzt – ohne diese Samen je vorher gesehen zu haben – herausfinden, wer der Mammutbaum darunter ist. Man könnte jetzt denken, das sei die wahre Falle bei der Ideenauswahl – sich für den falschen Samen zu entscheiden. Doch das stimmt nicht ganz –

in der Praxis sind die 2 wahren Fallen bei der Ideenauswahl:

  • 1. Die Über-Analyse und/oder
  • 2. Das Nichts-Tun

Falle 1 bei der Ideenauswahl: Analyse bis zum Tod.

Alle schütteln den Kopf und kündigen dann gründliche DNA-Analysen der kompletten vorhandenen Samen an. Das kann sich unproblematisch 6-12 Monate hinziehen.

Ob sich der Aufwand für diese Erkenntnis lohnt?

Wir erreichen damit drei Dinge:

  1. Jede gute Idee, die im Topf versteckt ist, wird bereits im Vorfeld teurer.
  2. Die Tendenz, eine gute, aber schon bekannte Idee zu wählen, ist hoch. (nicht notwendigerweise ein Problem – aber keine Innovation)
  3. Außerdem verlieren wir Zeit – während wir testen, wächst noch nichts.

Falle 2 in der Ideenauswahl: Nichts tun bis hin zur Flucht.

Alle starren verzweifelt auf den Topf mit unattraktiv aussehender Samen.

Woher soll man je wissen, was damit zu tun ist?

Aus Angst, dass aus den Samen Unkraut entstehen könnte, tendieren wir – quasi zur Sicherheit- dazu, keine Ideen zu säen. Bevor man seine Zeit mit diesen braunen Körnern weiter verschwendet, ist alles andere besser investierte Zeit.

Was passiert also?

Alle wenden sich entsetzt ab und beschließen, die vorhandenen Pflanzen besser zu pflegen.

Was erreichen wir mit dieser Version? Nicht mehr als bei Version 1 – allerdings wenigstens mit weniger Aufwand. 😉

Die einzig wirklich vernünftige Abhilfe in der Ideenauswahl: Ideen erstmal wachsen lassen

Mein Vorschlag, wie damit umzugehen ist, ist unbeliebt. Ab einem gewissen Punkt hilft es nix:

Wir müssen mit einigen der Samen, die wir zur Verfügung haben, starten.

Einzig und allein das Wachsen-lassen ermöglicht uns einen besseren Blick auf das Potential der Idee: In die Entwicklung welcher Stecklinge wir wirklich Aufwand stecken wollen – das können wir zu gegebener Zeit entsprechend feinsteuern. Der Gärtner, der heute schon sät, bekommt morgen schon die Chance, “sein” Pflänzchen wachsen zu lassen.

Der Gärtner, der erst morgen oder übermorgen sät, verliert kostbare Zeit. #innovation Klick um zu Tweeten

Welcher Innovations-Gärtner wird der erfolgreichste sein?

Mit der Analogie des Säens unbekannter Samen wird klar:

  • der Innovations-Sieger ist der, der sät, statt zu grübeln,
  • der Innovations-Sieger ist der, der eine möglichst breite, unterschiedliche Auswahl an Ideen ansät,
  • der Innovations-Sieger ist der, der vertrauensvoll auch unbekannte Ideen gedeihen lässt,
  • der Innovations-Sieger ist der, der ein gutes Gespür für das Potential einzelner Ideen entwickelt (klingt wie Hellseherei, ist aber intuitives Erfahrungswissen),
  • der Innovations-Sieger ist der, der nicht nur auf vordergründige Effekte, rasches Wachstum und bunte Blüten schielt,
  • der Innovations-Sieger ist der, der nicht zu geizig unterschiedliche Pflanzen größer werden lässt.

Coaching-Anregungen für Ihre Arbeit im Bereich Innovation:

Damit Ihre Innovations-Aufgaben gelingen, könnten Sie sich und Ihr Team folgende Fragen stellen:

  • Wie können wir heute schon möglichst unaufwändig möglichst viele unserer Ideen größer und dreidimensionaler werden lassen?
  • Wie können wir dafür sorgen, dass wir uns trauen, möglichst unterschiedliche Ideen wachsen zu lassen?
  • Wie können wir uns gegenseitig darin unterstützen, nicht nur auf schon bekannte Ideen ‘hereinzufallen’?
  • Wie schaffen wir es, uns möglichst regelmäßig um die Anzucht möglichst unterschiedlicher Ideen zu kümmern?
  • Wer bei uns hat den besten Instinkt für eine echt neue Idee – und wie können wir dafür sorgen, dass der- oder diejenige in diesem Instinkt möglichst breit unterstützt wird?

Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Anzucht von Ideen um Innovationen zu generieren?

  • Wie wird in Ihrem Unternehmen mit dem Thema “Ideenauswahl” bisher umgegangen?
  • Mit welchem Vorgehen hatten Sie bei der Ideenauswahl besonders gute Ergebnisse?
  • Was würden Sie anderen empfehlen?
  • Welche Fragen haben Sie zu diesem Thema?

Teilen Sie Ihre Erfahrungen gern möglichst konkret unten im Kommentar – danke Ihnen jetzt schon!

[Bildquelle:Hans auf Pixabay – danke!]

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