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Kristin Reinbach

Expertin & Unternehmensberaterin für Marktorientierung & Performance bei krysalis consult
Unterstützt Führungskräfte & Teams in komplexen Organisationen von DAX bis Mittelstand dabei, ihre Ziele zu erreichen. Mehr als 15 Jahre Erfahrung in Vermarktungs- und Performance-Themen. "unkonventionell, kreativ & analytisch stark, wertschätzend, effektiv"
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Innovation Mindset vs. Maintenance: Daran hängt’s bei der Innnovation in Deutschland

 

So häufig wird in den Unternehmen, die ich berate, nach Silicon Valley geschielt. Dahinter steht die unausgesprochene Frage:

Warum funktioniert Innovation in den USA so häufig so gut  – und warum tun wir uns hier so schwer damit?

Ich habe für Sie und mich eine erschreckend einfache Antwort, die uns ermöglichen wird, das Problem an der Wurzel zu packen. Allerdings muss ich warnen: Es wird unbequem. Der Grund ist:

Weil wir in Deutschland in den letzten Jahrzehnten „Maintenance“ gelernt haben.

Als „Maintenance“ bezeichne ich die Wartung, Pflege und Optimierung eines schon bestehenden Systems. Es ist wie ein schöner Schlosspark – wie etwa der von Schloss Sans Souci in Berlin, der vor langer Zeit angelegt wurde und jetzt gut in Form gehalten werden soll:

  • Möglichst effizient soll das passieren,
  • mit wenig Abweichung und ohne Fehler,
  • systematisch,
  • möglichst unabhängig von einzelnen Menschen.

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Wenn wir länger in einer Situation mit Maintenance-Schwerpunkt sind, eignen wir uns die dazu passenden Denk- und Handlungsweisen an, um es möglichst gut machen zu können – logisch.

Hier in Deutschland haben wir in allem, was zu Maintenance gehört, große Übung.

Das liegt wohl daran, dass wir im übertragenen Sinne eine Menge gut angelegte Parks haben: Viele stabile und mehr oder weniger profitable Unternehmen, in denen es lange Zeit gereicht hat, deren schöne Parks gut zu pflegen. Glücklicherweise war die Aufbauphase von Beginn bis Mitte des letzten Jahrhunderts so nachhaltig, dass wir von den Aufbauleistungen noch lange zehren und uns auf Maintenance konzentrieren konnten.

Nun sind wir also top-geübt darin,

  • Fehler zu analysieren und zu vermeiden,
  • Prozesse immer schneller und fehlerfrei abzuwickeln,
  • Business-Modelle zu multiplizieren,
  • Null-Fehler-Qualität zu sichern.

Dafür haben wir die passenden Management-Tools wie beispielsweise Six Sigma, Lean Production, Process Engineering. All das passt glänzend, sobald es ein vorhandenes System zu pflegen und zu optimieren gibt.

'Innovation fällt in D so schwer, weil wir in Maintenance so exzellent sind.' Klick um zu Tweeten

Nur: Früher oder später gibt es diese Art von Parks vielleicht gar nicht mehr oder die neuen Parks brauchen andere Pflanzen oder sie sollen einen anderen Zweck erfüllen als bisher und passen deswegen nicht mehr in die Gegenwart. Die Instrumente passen also nicht mehr zur Situation.

Wo kommen also die Parks von morgen her?

Wir müssen jetzt wieder neu ran. Dafür brauchen wir Innovation.

Und Innovation braucht ein anderes Mindset

Innovation bedeutet im Kontrast zur Pflege des schön angelegten Parks, dass wir auf einem leeren Stück Land anfangen.

Da ist nichts außer Erde, vielleicht Gestrüpp, Geröll, vielleicht die Ruinen eines anderen Parks, die im Weg liegen. Wir brauchen den Menschen, der oben auf dem Hügel steht und sich denkt:

Daraus müsste man doch etwas machen können!

Dann braucht es zusätzlich die feste Absicht, daraus etwas machen zu wollen, die Fähigkeit, sich vorzustellen, was daraus werden kann, konkrete Ideen zu entwickeln, und Schritt für Schritt diesen Park daraus zu entwickeln. Denken wir dran:

Bevor es den Park von Schloss Sans Souci gab, waren dort nichts weiter als ein paar Hügel.

innovation mindset, kristin reinbach, krysalis consult, innovationsberatungDiese Herangehensweise brauchen wir jetzt wieder mehr in unseren Unternehmen:

  • Zum einen, damit wir genügend neue Parks – Unternehmen – für die Zukunft entwickeln,
  • zum anderen, damit wir innerhalb der schon vorhandenen Unternehmen zumindest auf Teil-Grundstücken die Basis für die neuen Parks von morgen legen.

Denn: Bis ein neuer Park wirklich so weit ist, dass er so schön ist, wie wir ihn haben wollen und die Bäume Blüten und Früchte tragen, braucht es ordentlich Vorlauf.

Weil die Meisten von uns noch nie oder selten in der Situation waren, aus einem braunen Acker einen blühenden Park zu machen, kennen wir uns nicht gut damit aus. Selbst diejenigen, die es schon hinbekommen haben, wissen meistens nicht, wie sie dieses Wissen und die Fähigkeiten systematisch weitergeben können.

Aus dem Nichts etwas Neues entstehen zu lassen, ist etwas völlig anderes als etwas schon Existierendes zu pflegen.

So vieles muss auf dem Weg funktionieren – und dann kann es immer noch schief gehen. Was wir wollen, ist mehr Zugriff darauf, wie wir das systematisch und mit einer gewissen Vorhersehbarkeit hinkriegen können.

Denn offensichtlich gibt es ja auch Leute, die es hinkriegen. Und zwar immer wieder. Was machen die also anders?

Menschen mit Innovation Mindset

Schon heute gibt es wahre Innovations-Magier. Ihnen gelingt eine Innovation nach der anderen – seitdem sie für sich die Prinzipien begriffen und gelernt haben, sie einzusetzen. Ein bekanntes Beispiel ist Richard Branson, der Gründer von Virgin.

Während ich 2011 das Buch “Erfolgsfaktor Innovation Leadership” schrieb, erschien „Business Stripped Bare“, in dem Richard Branson sein Erfahrungswissen weitergibt. Kaum bekam ich es in die Hände, habe ich gierig das Kapitel über Innovation aufgeschlagen – sehr interessantes Kapitel, keine Frage! Aber erst, als ich das Buch zum dritten Mal durchging, fiel mir das Offensichtliche ins Auge:

Sein ganzes Buch, auch die Kapitel über Personal oder andere Punkte, handelt NUR von Innovation.

Richard Branson denkt, atmet, schreibt, tut nie jemals etwas anderes. Egal was er tut, er handelt aus einer Innovations-Sicht heraus. Offensichtlich hat er das, was ich ein „Innovation Mindset“ nennen würde. Im Hintergrund liegen Jahrzehnte der praktischen Anwendung: Von überschaubareren Themen wie einer Studentenzeitschrift hat er sich Stück für Stück weiter vorgewagt. Seine Firmengruppe ist längst Legende, für ihn steht schon der nächste Plan an: Mond-Touristik!

'Manche reden über Innovation - andere atmen Innovation.' Klick um zu Tweeten

Aktuelle Versuche, Innovation zu forcieren

In vielen Unternehmen wurde bereits erkannt, dass die neuen Parkbereiche in Zukunft gebraucht werden und dass man wirklich JETZT ran muss, weil man sonst spätestens in ein paar Jahren blöd dasteht.

Aktuelle Versuche sehen häufig so aus:

  • Man macht viele Brainstormings, hat viele Ideen, aber irgendwie wird aus denen nie etwas.
  • Es wird ein Ideenmanagement etabliert. Die Ideen verschwinden darin wie Socken in der Waschmaschine.
  • Es werden super-exakte Produktentwicklungsprozesse eingezogen – erstaunlicherweise bringt auch das nichts…

Der Effekt: Nach wie vor ist das alles ziemlich mühsam, der systematische Erfolg lässt auf sich warten, Zufallserfolge sind nicht wiederholbar, Spaß macht das so ohnehin nicht.

Eine undankbare Angelegenheit.

Warum ist das so?

Weil wir mit diesen Maßnahmen an einzelnen Symptomen ‘rumgedoktert’ haben.

Diese Maßnahmen waren einen Versuch wert, aber es ändert nichts daran, dass damit das „Innovations-Ding“ nicht an den Wurzeln gepackt wird.

Wir drücken immer mehr auf das Gaspedal, anstatt einen anderen Motor einzubauen oder überhaupt auf ein anderes Fahrzeug umzusteigen. Indem wir uns grundlegende Fähigkeiten im Denken und Handeln und die passenden Werkzeuge zulegen.

Also ein passendes Innovation Mindset aufbauen.

Alles andere ist so, als würden wir versuchen, ein Ikea-Regal mit einer Gabel aufzubauen!

Schlimm genug, dass die Gabel als Werkzeug nicht besonders gut passt, wird es nicht einfacher dadurch, dass wir nicht einmal wissen, wie das Regal aussehen soll, wenn es fertig ist. Wir können es zwar versuchen, allerdings ist es nervenaufreibend und obendrein unwahrscheinlich, dass es klappt. Ziemlich sicher führt der Versuch zu Zeit- und Ressourcen-Verschwendung.

Es ist also Zeit fürs richtige Werkzeug.

Wir brauchen Wissen und Fähigkeiten, die zu Innovation passen. Kurz und gut:

Ein Innovation Mindset im Kontrast zum Maintenance Mindset.

Erfolgsfaktor Magic Innovation Leadership. E-Book, Kristin Reinbach, für iPad[Dieser Text ist ein leicht modifizierter Auszug aus dem Praxis-Handbuch zu Innovationsmanagement “Erfolgsfaktor Magic Innovation Leadership.” Unter dem Link finden Sie weitere Informationen, können eine kostenlose Leseprobe herunterladen oder das hochwertig gestaltete E-Book erwerben und sofort nutzen.]

[Bildquellen: Die Bäume sind von Unsplash, Sans Souci von Cocoparisienne auf Pixabay- danke! – , das Visual von Kristin Reinbach aus “Erfolgsfaktor: Magic Innovation Leadership“.]

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