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Kristin Reinbach

Expertin & Unternehmensberaterin für Marktorientierung & Performance bei krysalis consult
Unterstützt Führungskräfte & Teams in komplexen Organisationen von DAX bis Mittelstand dabei, ihre Ziele zu erreichen. Mehr als 15 Jahre Erfahrung in Vermarktungs- und Performance-Themen. "unkonventionell, kreativ & analytisch stark, wertschätzend, effektiv"
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Zuviel des Guten: Der Perfektionismus im Weg des Wesentlichen

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Letzte Woche – da hatte ich so einen Perfektionismus-Anfall.

Zum Glück habe ich das nicht so oft, aber wenn, dann bin ich sowohl für mich als auch für meine Umgebung keine Freude. Urplötzlich ist es SEHR problematisch, wenn im Büro eine Pflanze ein abgestorbenes Blättchen hat, ich brauche die auf den Punkt gebügelte Bluse am Leib und es scheint VÖLLIG klar, dass das Projekt NUR erfolgreich werden kann, wenn man sich auch perfekt ernährt.

Parallel wird alles und jedes Arbeitsergebnis in schier kafkaeskem Verfolgungswahn dreifach überprüft.

Logischerweise beobachte ich das beim Coaching von Kunde ebenfalls häufig. Gerade wenn ein Projekt wichtig ist und/oder klar ist, das Thema bekommt ‘von oben’ sehr viel Aufmerksamkeit, passiert das leicht. Das ist menschlich und in bestimmten Situationen völlig normal – wichtig ist nur, dass wir uns davon nicht zu lange kriegen lassen. Sonst verschwenden wir viel Energie auf Unwesentliches oder gefährden sogar das Gesamtergebnis.

Perfektionismus kann nützlich sein – bis zu einem gewissen Grad.

Natürlich ist es gut, wenn wir einem Projekt unsere ganze Liebe und Aufmerksamkeit zukommen lassen. Wenn wir das neue Automodell morgen auf der IAA erstmalig präsentieren, dann IST die Zahnbürste an der Reifenspeiche durchaus angebracht. In dem Fall trägt der Perfektionismus, der Blick fürs letzte Detail zum Gesamteindruck und damit Erfolg bei.

Doch tendenziell ist Perfektionismus oft eher hinderlich, weil wir

vor lauter Blick aufs Detail, aufs Staubkorn das Ganze nicht mehr sehen

– und deswegen auch nicht mehr filtern,

was wirklich WESENTLICH ist.

Perfektionismus bedeutet, dass ich meine Sicht ganz brutal auf Detail-Level eingeschossen habe. Alles und jedes betrachte ich mit der Lupe, mit dem größtmöglichen Zoom. Während ich das tue, habe ich logischerweise zeitgleich NICHT das große Bild im Blick. Dabei darf man nur nicht vergessen:

Wir kümmern uns ja nur deswegen um die Details, damit das große Ganze nachher funktioniert. Klick um zu Tweeten

Wenn ich mich zu lange und zu tief in der Detail-Ebene rum treibe, dann sehe ich z.B. jede Menge Grashalme und Käfer, die mir sonst nicht aufgefallen wären – leider erkenne ich nicht mehr, ob und inwieweit es wirklich wesentlich für das Gesamtbild ist, ob diese Käfer nun in Reih und Glied stehen.

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Wann passiert dieser nicht-mehr-nützliche Perfektionismus?

  • Wenn wir unsicher sind (naturgemäß bei Innovation)
  • Wenn sich Vieles sehr schnell verändert (Change-Situationen).
  • Wenn wir (oder jemand anderes!) dringend wollen, dass etwas funktioniert.

Als Führungskraft können Sie in solchen Situationen ein sehr unterstützendes Element beitragen, indem Sie die Augen für Anzeichen unnützlichen Perfektionismus aufhalten und dem Team Mut machen, weniger dafür wesentlicheres zu tun (weitere Tipps s. unten).

Unnützliche Perfektionismus-Aktivitäten sind leicht als Absicherungsmaßnahmen zu entlarven:

  • Wenn mein T-Shirt top-gebügelt ist, halte ich es für gesichert, dass ich top aussehe.
  • Wenn meine Bettwäsche frisch gewaschen und gebügelt ist, ist das meine vermeintliche Garantie für den guten Schlaf, den ich so dringend brauche.
  • Wenn ich noch einmal mehr über den Korrekturabzug drüber gehe, scheint gebongt, dass mein Buch ein Erfolg wird.

All diese Tätigkeiten tragen aber nichts zu meinem eigentlichen Ergebnis bei. Ein typisches Beispiel im Unternehmensalltag ist das Sich-Aufhängen an Minimal-Details (durchaus nicht nur aus Perfektionismus, sondern auch durch internen Kleinkrieg begründet – anderes Thema! ;)).

Wie wesentlich ist es für den Geschäftserfolg des neuen Produkts, ob die erste Vorstellung dieser Idee eine CI-gerechte Powerpoint-Datei füllt?

  • Wie wesentlich ist es in diesem Moment, ob und dass das Komma auf Seite 3 richtig gesetzt ist?
  • Wie wichtig ist es wirklich, ob der CRM-Prozess heute schon auch für 1 Milliarde Kunden funktionieren könnte, damit Ihre ersten Kunden glücklich sind? Merkt der Kunde das? Hat er was davon?
  • Will er nicht vielleicht einfach jemand Freundliches am Telefon haben? Eine einzige, freundliche Person, die sich wirklich interessiert und auskennt…

Wenn wir uns in dem Moment wieder raus ziehen aus der Detail-Sicht und uns an das große Bild erinnern:

Es geht um den Markt und zwar genau den Kunden… was braucht es, damit er/sie mit unserem Produkt glücklich wird? Dann können wir sehr viel leichter das Unwesentliche wieder herausfiltern und uns dem Wesentlichen wieder zuwenden.

Das Wesentliche bekommt so die erforderliche Zeit, Energie, Budget und nicht der ganze Kleinkram, der nicht wirklich etwas beiträgt.

Coaching-Tipps, um schnell wieder aus unnützlichen Perfektionismus-Schleifen wieder herauszukommen:

Starten Sie damit, sich nochmal das große Bild und das große Ziel bewusst (ein weiterer Grund, warum Zielbilder so enorm hilfreich sind) zu machen. Stellen Sie sich und Ihrem Team dann die folgenden Fragen:

  • Was ist hier und jetzt für dieses Ziel, dieses Gesamtergebnis wirklich wesentlich?
  • Haben wir den den einfachsten Weg dorthin gewählt – oder uns in Details verheddert?
  • Versuchen wir uns künstlich abzusichern – und wogegen eigentlich? Ist das wirklich notwendig?
  • Kann unsere Aktivität zum letztlichen Erfolg wirklich etwas beitragen?
  • Welche Aktivitäten unterlassen wir also guten Gewissens – und worauf konzentrieren wir ab jetzt wieder unsere Energien?

[Bildquellen: LoggaWiggler und Hans auf Pixabay – danke!]

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