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Kristin Reinbach

Expertin & Unternehmensberaterin für Marktorientierung & Performance bei krysalis consult
Unterstützt Führungskräfte & Teams in komplexen Organisationen von DAX bis Mittelstand dabei, ihre Ziele zu erreichen. Mehr als 15 Jahre Erfahrung in Vermarktungs- und Performance-Themen. "unkonventionell, kreativ & analytisch stark, wertschätzend, effektiv"
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Zielsystem für 2016 gestaltet sich nervig? So geht’s inspirierter

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Sich im Unternehmen Ziele zu setzen ist normal. Dass wir im Unternehmen ein Zielsystem brauchen, das ist so selbstverständlich, dass keiner es mehr richtig hinterfragt. Lange Workshops, Diskussionen, Konflikte werden durchgestanden – und dann….? Dann haben wir eben Ziele, und – wenn es gut läuft – ein Zielsystem. Für die nächsten Jahre, das nächste Jahr, Quartal, den Monat.

Nicht ein Ziel, sondern viele. Möglichst exakt in einer Zahl verpackt. Runtergebrochen. Mit detaillierten Annahmen unterlegt.

Wir hoffen, dass das Zielsystem uns in einer komplexen Welt Orientierung und Vereinfachung bringt.

Doch ist das wirklich der Fall?

Immer wieder habe ich in Unternehmen erleben dürfen, dass ein Zielsystem zu erarbeiten regelrecht zermürbend sein kann. Daher habe ich heute einen anderen Vorschlag für Sie, wie Sie der Unternehmensplanung für 2016 inspirierter mehr Konkretheit und Richtung geben können.

Das ist die Grundidee:

Starten Sie nicht mit Zielen, sondern mit einer Absicht.

Warum eine Absicht? Wie unterscheidet sie sich von einem Ziel?

Eine Absicht lebt davon, sagen zu können:

“Ja, das will ich. Da will ich hin. Das will ich erleben. Das ist cool. Das ist es!”

Die Absicht erfordert nicht, dass man schon wüsste, WIE das gehen soll.

Die Absicht will nur, dass ich weiß, was ich / das Team / das Unternehmen will.

Die Absicht verlangt im Gegensatz  zu einem Ziel keine (pseudo-)exakten Angaben, sie will nur, dass ich das wirklich ehrlich will.

Und dass ich entschlossen bin, alles dafür zu tun, damit es klappt.

Eine Absicht darf gern subtil sein – so sagte eine Freundin von mir neulich im Gespräch:

Eine Absicht – das ist so etwas, das beim Aufräumen, Bügeln oder so im Hinterkopf mitschwingt.

Eine ehrliche Absicht ist daran leicht erkennbar:

Man muss sich gar nicht erst darauf konzentrieren, die Absicht ist im Hintergrund da.

Das ist auch der Grund, warum eine Absicht so hilfreich werden kann – indem sie im Hintergrund unseres Hirns wie ein Radar neue Lösungen und Wege sucht.

Verproben wir Absicht vs. Ziel mal und machen wir den Gegentest:

Was bringt mir / dem Team / dem Unternehmen ein ausformuliertes und in Zahlen niedergeschriebenes Ziel?

Das Ziel ist damit konkreter und wirkt realer, griffiger. Das ist sicher gut. Doch es bringt automatisch ein paar Nachteile mit sich:

  • Andererseits tut es so, als sei es zementfest betoniert.
  • Weil unsere Vorstellungskraft vielleicht zu ungeübt ist, setzen wir diese Ziele oft zu klein.
  • Weil das Ziel so konkret und zementfest wirkt, kleben wir Monate später leicht an seiner Formulierung – und vergessen (v.a. wenn sich externe Faktoren ändern) das Wesentliche, um das es uns eigentlich ging.

Allan Weiss, erfolgreicher Unternehmensberater & Unternehmer, kommentiert das Thema Zielsetzung so:

'That's the problem with goals: You'll only end up reaching them.' Allan Weiss Klick um zu Tweeten

Für mich sieht das so aus, als wären Ziele nicht so nützlich, wie man oft meint.

Kleiner Querschlag: Wie verhalten sich Ziel und Absicht zu einer Unternehmensvision?

Naja,

wie viel Handlungs-Tendenz hat für Sie das Wort “Vision”?

Für mich sehr wenig.

Für die meisten Menschen, die meisten Organisationen scheint das so zu sein.

Vielleicht wird es deswegen gerne benutzt? Dann muss man damit nichts tun…und das ist angenehmer…!? 😉

Nein, im Ernst: Statt Vision empfehle ich lieber mit Zielbilder zu arbeiten (sprechen Sie mich gern drauf an). Ein Zielbild zu erarbeiten meint: Ich mache mir ein Bild davon, wo ich hin will. Mit diesem Bild kann ich quasi dreidimensionaler und probehalber schauen, wie die Absicht in umgesetzt aussehen würde. Das ist außerdem hilfreich, weil es zuläßt, dass es ein grobes Bild sein kann, das beim Näherkommen schärfer und detaillierter wird.

Coaching-Tipp, um durch das passende Zielsystem Ihre Ziele leichter zu erreichen:

  • Kümmern Sie bei der Erarbeitung des Zielsystems für Ihren Bereich (zumindest zum Start) möglichst wenig um quantifizierte Ziele. Wenn die Absicht wirklich steht, ist das Umsetzen in Zahlen reine Logikfrage.
  • Finden Sie statt dessen lieber heraus, was Ihre echte, ehrliche Absicht ist (allein oder eben im Team).
  • Probieren Sie die Absicht etwas näher ‘an’, indem Sie ein paar Sätze dazu schreiben, warum Sie diese Absicht haben: 1. weil dann…., 2. weil….etc.
  • Nähern Sie sich einem groben ersten Zielbild: Notieren Sie dazu erste Stichworte, sammeln Sie Bilder aus Zeitschriften oder dem Internet, die damit zu tun haben.
  • Machen Sie sich nicht kirre damit, detaillierte Zielbeschreibungen zu finden.
  • Sie wissen jetzt, wo Sie in etwa hinwollen und warum. Ihr innerer Radar kann ab jetzt loslegen, Lösungen und Wege zu finden.
  • Erst danach erstellen Sie das aktuelle Zielsystem – am besten mit einer Zielpyramide und sowohl mit quantitativen als auch qualitativen Zielen.

Dieses Vorgehen, mit der Absicht statt direkt mit dem Zielsystem zu starten, hat enorme Vorteile:

  • Es spart (besonders in der Team-Arbeit  im Führungskreis) enorm Zeit und Nerven, und
  • es ist viel leichter, unterwegs zu Ihrem Ziel flexibel zu bleiben.
  • Sie werden sich von der Absicht leiten lassen und nicht vom Zielsystem.
  • Sie werden erkennen, wenn es Sinn macht, ds Zielsystem neu auf die eigentliche Absicht anzupassen.

Wie ist Ihre Erfahrung mit der Erarbeitung von Zielsystemen?

  • Wie werden sie bei Ihnen im Unternehmen gehandhabt?
  • Welche Prozessteile und Ergebnisse finden Sie daran hilfreich?
  • Welche Prozessteile und Ergebnisse scheinen eher verzichtbar?
  • In welcher Relation steht die Arbeit an der Zielformulierung zur tatsächlichen Arbeit auf die Ziele hin?
  • Welche Tipps hätten Sie für andere Führungskräfte?

[Bildquelle: RyanMcGuire auf Pixabay – thx!]

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